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Studioallianz: Der Kampf um die europäischen Filmfördermillionen …

In den drei Jahren seit Einführung des Deutschen Filmförderfonds (DFFF) war Studio Babelsberg mit seinen internationalen Koproduktionen größter Nutznießer dieses Fördertopfes. Jetzt formiert sich Konkurrenz im Kampf um die jährlich rund 60 Millionen Euro Fördergeld aus der Bundeskasse: Studio Hamburg und die britischen Pinewood Studios gegründeten ein Joint Venture, das mit Rückendeckung durch den DFFF internationale Koproduktionen auf das Berliner Studiogelände in Adlershof holen soll.

Ivan Dunleavy von den Pinewood Studios (links) und Robin Houcken von Studio Hamburg besiegeln vor historischer Kulisse in Berlin das Joint Venture.

Mit der nun geschlossenen Allianz zwischen Studio Hamburg und den britischen Pinewood Studios kommt allem Anschein nach zusammen, was zusammen passt: Nach eigenen Angaben müssen die Briten trotz riesiger Studiokapazitäten in Pinewood, Shepperton und Teddington immer wieder Kinofilme ablehnen. Studio Hamburg sucht indessen offenkundig nach Auslastung für seine beiden Großateliers in Adlershof, die das Unternehmen über seine Berliner Zwischenholding Studio Hamburg Berlin Brandenburg GmbH und das operative Tochterunternehmen Studio Berlin Adlershof (SBA) GmbH in Berlin betreibt. Um internationale Produktionen nach Adlershof zu holen, mangelt es den Hamburgern aber bisher an den dafür nötigen Akquiseverbindungen. Die nun von den beiden europäischen Studiobetreibern gegründete, gemeinsame Firma Pinewood Studio Berlin Film Services soll diese Situation zum Nutzen beider Partner lösen.

Robin Houcken, der Geschäftsführer von Studio Hamburg und Ivan Dunleavy, der CEO von Pinewood Studios, lobten dementsprechend bei der Bekanntgabe der Allianz während der Berlinale diese »natürliche Verbindung« und erläuterten das geplante Arbeitsprinzip: Pinewood akquiriert internationale Produktionen, die dann in Adlershof von dem neuen 50/50-Venture realisiert werden. Die gemeinsame Firma soll nicht nur die Produktionsservices bieten, sondern zugleich als Koproduzent auftreten. So sollen laut Ivan Dunleavy, »kostengünstige und kreative Lösungen« möglich sein. Den Hintergrund dafür bilden die Fördergelder aus dem DFFF.

Vor rund einem Jahr war in Adlershof mit dem Studio H das zweite Großatelier von Studio Hamburg in der Haupstadtregion mit etwa 2.400 Quadratmetern Fläche in Betrieb gegangen (Berichte: Planungsphase, Realisierung). Dort, wie in dem ähnlich großen Studio G, könnten bald auch Kinoproduktionen realisiert werden, so Robin Houcken.

Das ist ein Strategiewechsel, denn zur Studiovermarktung hatte es auf Seiten Studio Hamburgs bisher stets geheißen, man wolle die TV-Grundauslastung nicht durch die terminlichen Unwägbarkeiten einer Kinoproduktion gefährden. Gelegentliche Kinoausflüge nach Adlershof — wie die Produktion von »Good Bye, Lenin« — waren bislang eher die Ausnahme. In Adlershof hat eher das Fernsehen als das Kino Tradition, das war schon zu DDR-Zeiten so. Gerne werden die dortigen Ateliers für TV-Aufzeichnungen oder auch für Live-Produktionen genutzt. Hierfür steht in Adlershof auch die Ü-Wagen-Flotte von Studio Berlin bereit. Außerdem war Studio Hamburg in jüngster Zeit mit seinen Kinokoproduktionen –— zuletzt den beiden »Drei Fragezeichen«-Filmen — als Produzent nicht unbedingt glücklich.

So schien die Marktaufteilung mit dem regionalen Wettbewerber Studio Babelsberg immer stärker zementiert: Studio Babelsberg fokussierte sich auf das Kino und hier bevorzugt auf internationale Kinofilme mit aufwändiger Ausstattung und umfangreicher Studionutzung. Das Unternehmen agiert dafür als Koproduzent und kann damit deutsche Förder-mittel — insbesondere des DFFF beanspruchen. Dieses Finanzierungsmodell findet Studio Hamburg offenbar ebenfalls interessant und macht sich nun mit dem britischen Partner an der Seite auf den Weg ins Kinogeschäft.

Produktionsmagnet DFFF

Der DFFF stellt seit drei Jahren jährlich rund 60 Millionen Euro Fördergeld für Kinoproduktionen bereit und diese jährliche Summe wurde auch für die Spanne bis 2012 festgelegt. Im Gegensatz zu den Länder- und den Referenzförderungen des Bundes, kann beim DFFF eine »automatische« Förderung abgerufen werden: Das Geld wird ausbezahlt, ohne dass ein Gremium das jeweilige Projekt beurteilen und die Förderwürdigkeit feststellen müsste. Auf Antrag werden jedem Produzenten in Deutschland, der einen Kinofilm herstellt, aus dem DFFF-Topf zwischen 16 % und 20 % der in Deutschland ausgegebenen Produktionskosten erstattet. Es handelt sich um einen nicht rückzahlbaren Zuschuss von höchstens 4 Millionen Euro (in Ausnahmefällen bis 10 Millionen Euro). Das Ganze gilt, solange noch Geld im Topf ist: Wer zuerst kommt, dreht zuerst.

Mit den seit 2007 ausgereichten 180 DFFF-Millionen wurden nach Angaben der Filmförderungsanstalt (FFA), die den Topf verwaltet, 194 nationale (Ko-)Produktionen mit 91,8 Millionen Euro gefördert. Gut 84 Millionen Euro gingen an 109 internationale Koproduktionen. Im Durchschnitt soll jeder DFF-Euro die Investition von etwa 6 weiteren Euro in der deutschen Filmwirtschaft ausgelöst haben.

Studio Babelsberg konnte gut 47 Millionen Euro für nur neun internationale Großprojekte einsetzen, die aber ohne Förderung kaum in die Hauptstadtregion oder überhaupt nach Deutschland gekommen wären. Das Spektrum reicht von dem mit 9 Millionen Euro höchstgeförderten »Speed Racer« bis zu den Kinoerfolgen »The International« (5,8 Millionen) und »Der Vorleser« (3,69 Millionen). 2009 gingen unter anderem 3,54 Millionen Euro an Roman Polanskis aktuellen Berlinale-Preisträger »The Ghost Writer« und 6,8 Millionen Euro an Quentin Tarantinos »Inglourious Basterds«. Auch Roland Emmerich wurde mit 4 Millionen Euro nach Potsdam gelockt: Der Drehbeginn für »Anonymous« soll im März 2010 erfolgen. Studio Babelsberg und dessen internationale Partner können als die bislang größten Nutznießer des DFFF angesehen werden.

An dem deutschen Förderautomatismus wollen nun also auch Studio Hamburg und Pinewood teilhaben. Denn »mit dem Aufbau des DFFF ist Deutschland auf der Kinolandkarte erschienen«, so Robin Houcken. Wenn schon Kino, dann sollten hochwertige Filme mit qualifizierten Partnern nach Deutschland kommen, lautet der Wunsch des Studiochefs. Da biete sich die nun geschlossene Allianz an: Beide Partner warteten mit großen Traditionen, ähnlicher Unternehmenskultur und hohem Anspruch auf. Auf der Referenzliste der Briten finden sich unter anderem die »007«- und »Harry Potter«-Filme.

Wettbewerbssituation im europäischen Studiomarkt

Die neue Allianz mit ihrem Anspruch, das »Lockmittel DFFF« zu nutzen, könnte die Wettbewerbssituation hierzulande verändern: Verliert Studio Babelsberg seine Quasi-Monopolposition als Partner für internationale Koproduktionen? Macht der aufkommende Kampf der beiden Großen um den DFFF zugleich den kleineren Produktionen die Fördermittel streitig und am Ende gar das Drehen unmöglich?

Das könnte drohen, außerdem dräut aus anderen Ecken Europas weitere Unbill: Ein großes Ateliergelände will Luc Besson demnächst bei Paris in Betrieb nehmen. Ein Fördersystem á la DFFF will Ungarn einsetzen, um ab April 2010 den neun Ateliers von Raleigh-Studios in Budapest Leben einzuhauchen. Österreich, Schweden und weitere europäische Länder planen, den DFFF zum Vorbild für neue eigene Förderhebel nehmen.

Quelle:

http://www.film-tv-video.de

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25. Februar 2010 - Posted by | Uncategorized

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