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Die Euphorie der Taschen-Rechner …

Smartphones und Netbooks machen nach wie vor nur einen kleinen Teil des Marktes für Computer und Mobiltelefone aus, aber große US-Firmen setzen auf den ungebremsten Boom der vernetzten Geräte für die Westentasche. Gerade in konjunkturschwachen Phasen bauen Marken von AT&T über Microsoft und Palm bis hin zu Yahoo ihre Investitionen im mobilen Netz aus. Der Innovationsschub umfasst leistungsfähigere Geräte, schnellere Netze mit höherer Kapazität und vor allem kleine Software nach Maß, die sich Verbraucher a la Carte auf ihre Geräte laden können.

Die CEOs der großen Technologie-Firmen konnten sich bei ihrem alljährlichen Prominententreffen der Branche im kalifornischen Carlsbad nun einmal mehr gegenseitig versichern, dass sie auf der richtigen Route zum „Web 3.0“ sind – der Welt allgegenwärtiger Thin Clients, die Daten wie Dienste aus dem Netz beziehen. Das gaben die beiden Gastgeber, die renommierten IT-Journalisten Walt Mossberg und Kara Swisher, als Leitmotiv der diesjährigen „All Things D“-Konferenz aus, die das „Wall Street Journal“ in der vergangenen Woche zum siebten Mal veranstaltete.

In zweieinhalb Tagen hochkarätiger Diskussionen wurde klar, dass das iPhone als verbraucherfreundliches Smartphone mit Taschen-Computer-Qualitäten und vor allem Apples App Store mit rund 40.000 Programmen für jeden Geschmack die zwei Wendepunkte sind, die alle Anbieter zum Umdenken und zum Nachmachen bewegt haben.

So stellte die mit massiven Investitionen von Elevation Partners wieder belebte Firma Palm zum ersten Mal ihr Smartphone Pre einer größeren Öffentlichkeit vor, bevor das Gerät kommendes Wochenende in den USA an den Start geht. Auch Palm kommt allerdings nicht ohne Anleihen bei Apple aus, die weit über den Touchscreen hinaus gehen.

Der Pre wurde nicht nur unter der Leitung des ehemaligen iPod-Managers Jon Rubinstein entwickelt, sondern umschifft das Problem der Synchronisierung mit einem Desktop-Rechner, indem er direkt an iTunes angebunden ist, um Multimedia-Dateien ins Handy zu pumpen. Der Pre taucht in iTunes sogar als vermeintlicher „iPod“ auf. Den Rest der Daten zieht das neue Handy, das bislang nur auf dem in Europa ungebräuchlichen CDMA-Standard funktioniert, direkt aus dem Netz, von der vorab installierten Suche bei Twitter bis zum Musikkatalog von Amazon.

Rubinstein erwartet ebenso wenig wie sein Finanzier, der Risikokapitalgeber Roger McNamee, dass Apple gegen diese Trittbrettfahrerei Einspruch erheben oder gar klagen wird. Als Quasi-Monopolist solle sich Apple über die Anbindung an iTunes freuen. „Die Marktchance für Smartphones ist gewaltig. Apple und RIM haben weniger als zwei Prozent weltweiten Marktanteil“, sagte McNamee.

Während er noch vor ein paar Wochen damit geprahlt hatte, der Pre werde vor allem von Millionen enttäuschter iPhone-Nutzer gekauft werden, schraubte McNamee seine Rhetorik diesmal zurück. Palms Zielgruppe sind jetzt all jene Verbraucher, die noch nicht auf ein Smartphone umgestiegen sind. „Da gibt es jede Menge Spielraum für Palm. Die Software wird die einzelnen Geräte differenzieren“, sagte McNamee. „Wenn ich Apple oder RIM wäre, würde ich mir keine Sorgen machen.“

Entscheidend für den Erfolg neuer Handhelds wie dem Pre ist die Zahl individueller Anwendungen, die Nutzer herunterladen können. Das Palm-Gerät wird allerdings mit gerade einmal 12 Programmen an den Start gehen. Das Entwicklerkit (SDK) ist bislang erst bei ein paar hundert Programmierern in Umlauf, so Rubinstein, und wird erst im Sommer der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Es verspricht eine harte Aufholjagd zu werden, da Apples App Store in neun Monaten rund 40.000 Programme angesammelt und mehr als eine Milliarde Downloads erreichte. Selbst Blackberrys App World vermeldet nach weniger als zwei Monaten bereits rund 1.000 Anwendungen. „Ob wir wollen oder nicht, wir sind von den Nutzern vom Unternehmens- in den Verbrauchermarkt gedrängt worden“, sagte RIM-Boss Mike Lazaridis. Seine Smartphones hätten sich inzwischen vom Gerät für Führungskräfte ebenso zu einem Standard für Angestellte entwickelt wie ein Schreibtisch.

Die Reise in die Welt des mobilen Internet hat nach Ansicht des Blackberry-Gründers gerade erst begonnen. „Als wir vor 25 Jahren in einer Rezession anfingen, sprachen wir nicht von Smartphones, sondern verkleideten unsere Produkte als Pager. Sonst hätte sie keiner verstanden“, so Lazaridis. „Aber wir wussten schon damals, dass es eine mobile Plattform werden würde“. Er ist allerdings vom Tempo überrascht, in dem sich der Übergang zu den intelligenten Taschen-Rechnern vollzieht.

So sehr Anbieter wie Palm, Blackberry oder Apple die Vorzüge ihrer Geräte anpreisen, so sehr fürchten Telekomfirmen eine Verstopfung oder sogar einen Kollaps ihrer 3G-Netze. Da Datenanwendungen oder Video-Streaming bis zu tausend Mal mehr Datendurchsatz erfordern als herkömmliche Telefonate, zeigt die Infrastruktur hier und da bereits Schwächen. So beklagen sich iPhone-Kunden in großen US-Ballungszentren wie New York und San Francisco vehement über das Schneckentempo des verfügbaren Netzes.

Der Chef der Telekomfirma AT&T, die für die USA den Exklusivvertrag für das iPhone besitzt, gab einen Einblick in die massiven Ausbaupläne des Funknetzes, um den explodierenden Datenverkehr aufzufangen. So bohrt AT&T sein UMTS-Netz gegenwärtig auf 7,2 Megabits per Sekunde auf. Der Ausbau ist der Zwischenschritt auf dem Weg zum 4G-Netz (oder LTE), das ab 2012 landesweit aufgeschaltet werden soll.

Die theoretisch höhere Geschwindigkeit von bis 20 Mbps in einem 4G-Netz sagt indes nichts über die tatsächliche Kapazität aus, wenn zu viele Kunden zu viel surfen und fernsehen. „Das iPhone hat die Art und Weise, wie unsere Kunden Daten konsumieren, radikal verändert“, sagte Stephenson, dessen Unternehmen zudem rund 20.000 WLAN-Hotspots betreibt – unter anderem, um sein Netz zu entlasten.

Rund 30 Prozent des Datenverkehrs an diesen Basisstationen stammt inzwischen von Smartphones, berichtete Stephenson. Für die Glasfaseranbindung ihrer Funkzellen und andere Upgrades gab die Firma vergangenes Jahr neun Milliarden Dollar aus und will auch während der Rezession massiv investieren. Gleichzeitig denkt AT&T darüber nach, anstelle der Daten-Flatrate ein abgestuftes Preissystem für mobile Vielsurfer einzuführen, was denen wohl kaum schmecken dürfte, in Europa aber bereits nerviger Standard ist.

Insgesamt sei der Exklusiv-Deal mit Apple „eine sehr weise Entscheidung“ gewesen, so der AT&T-Chef. Der Telekomriese verbuchte im ersten Quartal 2009 rund 1,6 Millionen iPhone-Neukunden, die ihm im Schnitt 100 Dollar Umsatz pro Abonnent pro Monat bescheren. Obwohl seine Firma ebenso wie T-Mobile in Deutschland jedes neue iPhone massiv subventioniert, rechne sich der Vertrag mit Apple.

„Unsere Investment-These war richtig. Dieses Produkt hat das Antlitz drahtloser Kommunikation verändert“, sagte Stephenson. Für die Zukunft hat der Firmenchef die Devise ausgegeben: Egal, um welche Anwendung oder welchen Dienst es geht – sie müssen auf mobile Netze zugeschnitten sein.

Ähnlich auf Mobilgeräte fixiert zeigte sich die neue Yahoo-Chefin Carol Bartz. Nach ihren Angaben erreicht das angeschlagene Portal allen Unkenrufen zum Trotz nach wie vor drei Viertel aller US-Verbraucher im Web und jeden zweiten Mobilnutzer. In den Bereichen soziale Netze und Videotechnologie will Yahoo nicht nur organisch wachsen, sondern nötigenfalls auch interessante Neugründungen erwerben.

Wie das gehen kann, machte Cisco unlängt vor, als der Netzwerkausrüster die Videokameramarke Flip kaufte, um sich stärker im Verbrauchermarkt zu etablieren. Flip wird im Juni einen kostenlosen Webdienst namens „Flip Channels“ einführen, mit dem jedermann seine Videos auf Smartphones schicken kann. Als nächsten Schritt sollen die preiswerten Flip-Kamera bald Videos drahtlos streamen können.

Einen Verkauf ihres Suchgeschäftes an Microsoft kann sich Yahoo-Frau Bartz nur vorstellen, wenn der ewige Rivale „einen Haufen Geld“ locker macht und die richtige Technologie in die Ehe einbringt. Gespräche mit Microsoft-Boss Steve Ballmer seien „ein Bisschen“ im Gange, gab sich Bartz zugeknöpft.

Ballmer nutzte die Konferenz wiederum, um eine erneute Generalüberholung seiner Suchmaschine „Live Search“ unter dem aufgepeppten Titel „Bing“ vorzustellen. Auch er bezeichnete mobile Anwendungen als „glühend heißen“ Markt – egal ob man Smartphones oder Netbooks zu der Kategorie rechne. Für die nächsten fünf Jahre bleibe der PC allerdings weiterhin das wichtigste Gerät. Die Mehrheit drahtloser Daten fließe über PCs, sagte Ballmer, und das Web sei für PCs geschaffen. Mobile Anwendungen versuchten diese Tatsache geschickt zu vertuschen, „meist mit wenig Erfolg“.

Nachholbedarf für mobile Anwendungen räumte auch der CEO von Nokia ein. Nachdem der größte Handy-Hersteller der Welt reihenweise Software-Firmen vom Navigationsanbieter Navteq bis zu kleinen Start-ups aufkaufte, sei das Unternehmen immer noch in einem Lernprozess, was Anwendungen auf den Smartphones von Morgen angehe, so Firmenchef Olli-Pekka Kallasvuo. So viel scheint aber bereits klar: Auch für ihn sind Handys „tragbare Computer“, über deren Erfolg die Software und Dienste entscheiden, die sich darauf laden lassen.

Ironischerweise besitzt Nokia in den USA weniger als zehn Prozent Marktanteil, während es im Rest der Welt auf rund 36 Prozent kommt. Sein neuestes und modernstes Smartphone N97 etwa hat in den USA bislang keinen einzigen Netzbetreiber gewinnen können, sondern wird in einigen wenigen Geschäften ohne SIM-Lock verkauft. Vielen der technisch versierten Konferenzteilnehmer war Nokias App Store namens „Ovi“ dementsprechend unbekannt.

Auch an der E-Book-Front gab es auf der „All Things D“-Konferenz Neuigkeiten: Die Firma Plastic Logic präsentierte einen Prototypen ihres Readers mit berührungsempfindlichem Bildschirm, der Amazons Kindle Konkurrenz machen soll. Für ihr flexibles Kunststoff-Display, das weniger als 500 Gramm wiegt, baute das Unternehmen eigens eine Fabrik bei Dresden. Das Lesegerät richtet sich vor allem an Geschäftsleute, die Dokumente vom eigenen Rechner übertragen und auf Reisen mitnehmen wollen. Der große Bildschirm eignet sich zudem für die Lektüre von Zeitungen und Zeitschriften.

Marktforschungen hätten gezeigt, sagte Plastic Logic-Manager Steven Glass gegenüber Technology Review, dass die Mehrheit der Zielgruppe Geschäftsdokumente und nicht Bücher lesen wolle. Mit Reitern am Rand kann man deswegen zwischen mehreren Dokumenten hin- und herschalten wie bei einem Browser. Gleichwohl wird das Gerät sowohl WLAN- als auch 3G-Empfang haben und an einen Online-Marktplatz angeschlossen sein, um neue Inhalte zu kaufen und sofort herunter zu laden. Verhandlungen mit Verlagen laufen bereits. Zum genaue Preis wollte sich CEO Richard Archuleta nicht äußern, er dürfte aber um rund 500 Dollar tendieren. Eine Version mit Farbdisplay ist bereits in Arbeit.

Quelle:

Steffan Heuer

Posted via web from Superglide’s Personal Blog …

2. Juni 2009 - Posted by | Uncategorized

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