FatBobber´s Blog …

News about motorbiking and media …

Die Tücken der Werbepersonalisierung …

Meine Frau, ihrerseits gewichtsmäßig völlig der gesunden Norm entsprechend, erhielt vor einigen Tagen einen unscheinbaren Modekatalog, den sie mit der Post in die Wohnung brachte. Erst nach einigen Minuten, die ich in einem anderen Zimmer verbrachte, kam dann der Schrei: „Iiihhh, das ist ja für Übergrößen! Wie kommen die denn auf die Idee, mir sowas zu schicken?“ In meiner Verantwortung lag es schließlich, beim Versender dieses von meiner Frau als schlimmes Machwerk titulierten Heftchens anzurufen, um genau das herauszufinden.

Die Dame am anderen Ende der Leitung war allerdings informationstechnisch wenig freigiebig, nahm nur schnell die von mir in den Hörer gebellte Verteilerstreichung auf und gab schließlich vage an, wir hätten doch bei einem der gleichen Firma angeschlossenen Versandhauses etwas erworben. Jene Bestellung müsse offenbar die Zusendung des „Dickenkatalogs“ (O-Ton meine Frau) irgendwie ausgelöst haben.

Inzwischen bin ich mir ziemlich sicher, was es war: Ich hatte der Liebsten vor ein, zwei Jahren eine Nähmaschine bei diesem Unternehmen gekauft – erstaunlicherweise unter meinem Namen. Offenbar musste die komplexe Direktmarketing-IT in Verbindung mit den Daten meiner ebenfalls hier gemeldeten Frau hochintelligent ermittelt haben, dass Damen, deren Männer Nähmaschinen kaufen, vermutlich Übergrößen tragen.

Dieses Beispiel zeigt, wie albtraumhaft so genannte Werbepersonalisierung sein kann. Im Netz gibt es die auch – und das dank vergrößerter Datenbasis sogar noch viel schlimmer. Ihr Name ist „behavioral targeting“, im Deutschen gerne als „interessensbasierte Werbung“ verbrämt. Sinn der Sache ist es, dem Webbenutzer bei seinen Touren durchs Netz möglichst genau über die Schulter zu schauen, um ihn im Sinne der Reklamekunden wertvoller, weil passgenauer, zu machen.

Phorm, ein insbesondere in Großbritannien reichlich umstrittener Anbieter, will dies sogar über die gesamte Datenmenge hinweg tun, die Provider-Kunden generieren; Google derweil „nur“ über Seiten, die von dem Unternehmen mit Werbung versorgt werden (was in Deutschland bedeutet, dass die große Mehrheit aller Nutzer dort vorbeischauen).

Meine These: Je mehr solche Daten gesammelt werden, desto hübscher kann die Personalisierung dann schief gehen. Das Problem ist der Mangel an Algorithmen-Intelligenz. Interessiert sich ein Mensch, der auf Autoseiten surft, wirklich auch gleich für Gebrauchtwagen? Muss man als Städte-Blog-Leser tatsächlich mit Billig-Airline-Flügen in ebenjene Stadt gelotst werden?

Doch das sind nur die einfachen Beispiele, die aus dem Bereich der Holzhammerkiste. Wird die Software smarter, kommt es dann wie in meinem Katalogbeispiel mit Sicherheit richtig peinlich. Sie sind vorhin auf Sextoy-Seiten gesurft? Morgen früh gibt’s neben ihrer Lieblingszeitung dann entsprechende Anzeigen…

Es ist jedenfalls klar, dass weder ich noch meine Frau wohl jemals wieder bei diesem Versandhaus einkaufen werden, selbst wenn ich persönlich mein Idealgewicht längst überschritten habe. Vielleicht sollten die Direktmarketingunternehmen ihre Kunden einfach fragen, was sie gerne hätten. Oder sie einfach in Ruhe lassen. Klassische Imagewerbung ist doch auch was feines.

Quelle:

Ben Schwan

Posted via web from Superglide’s Personal Blog …

11. Mai 2009 - Posted by | Uncategorized

Es gibt noch keine Kommentare.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: