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Die Arbeit der „Klimaklempner“ …

Da sollte man doch hellhörig werden: John Holdren, Wissenschaftsberater von US-Präsident Barack Obama, in den vergangenen Wochen mehrmals gesagt, er unterstütze die Forschung am so genannten Geo-engineering. Unter diesem Begriff werden gigantische technische Konzepte zusammengefasst, die Erde abzukühlen, falls sich die globale Erwärmung nicht mittels Verringerung von CO2-Emissionen stoppen lässt.

Ob sich Holdrens persönliche Meinung im Weißen Haus durchsetzen wird, ist unklar. Klar ist aber auch: Eine Förderung des umstrittenen planetaren Großtechnik wäre ein Kurswechsel in der gegenwärtigen Klimapolitik der Obama-Administration. Zurzeit fließt nur wenig Geld in derartige Forschungsprojekte. Zudem gibt es kein koordiniertes Vorgehen, um Chancen und Risiken verschiedener Geo-engineering-Ansätze zu bewerten. Das liegt auch daran, dass die von vielen Experten bislang kategorisch abgelehnt werden, weil sie unvorhersehbare Nebenwirkungen auf das Erdsystem haben könnten. Allerdings passen Holdrens Aussagen zu den sich mehrenden Stimmen in den USA, dass man angesichts wirkungsloser politscher Maßnahmen und weiter steigender CO2-Emission vielleicht doch umdenken müsse.

Das Geo-engineering will im Wesentlichen zweierlei versuchen: Entweder CO2 aus der Erdatmosphäre entfernen oder die Erde abzuschirmen und einen Teil des Sonnenlichts in den Weltraum zurückzuwerfen, bevor es die Erdoberfläche erreicht und erwärmt. Ein Konzept, das seit Jahresbeginn anlässlich des – inzwischen gescheiterten – Lohafex-Experiments Wellen geschlagen hat, ist die Düngung der Ozeane mit Eisenpartikeln. Dadurch sollen mehr Algen entstehen, die verstärkt atmosphärisches Kohlendioxid binden. Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen hat vorgeschlagen, Schwefelpartikel in die oberen Schichten der Erdatmosphäre zu schießen, wo sie einen Teil des einfallenden Sonnenlichts blocken sollen. Andere Vorschläge reichen von einfachen Maßnahmen – etwa Hausdächer weiß zu streichen, um Sonnenlicht zu reflektieren – bis zu sehr teuren und aufwändigen, zum Beispiel im Umlaufbahnen riesige Sonnensegel zu positionieren, die die Erde abschatten.

Damit solche Technologien wirksam sind, müssten sie in großem Stil eingesetzt werden. Bislang fehlen aber experimentelle Daten und Computermodelle, um die weltweiten Auswirkungen auf Wetter und Ökosysteme abzuschätzen. Hinzu kommt, dass die Wissenschaft erst sehr grob versteht, wie natürliche Systeme CO2 aufnehmen oder abgeben. Etwa die Hälfte des CO2, das die Verbrennung von Kohle und Öl oder andere menschliche Aktivitäten freisetzen, wird von Pflanzen geschluckt. Im Detail kennt man die Mechanismen allerdings noch nicht.

Selbst Verfechter des Geo-engineering räumen ein, dass ohne exaktes Wissen über solche Zusammenhänge die Ergebnisse solcher Großeingriffe nicht abzusehen seien. John Latham vom National Center for Atmospheric Research in Boulder im US-Bundesstaat Colorado plädiert deshalb dafür, die Erforschung der möglichen Folgen auszuweiten. Latham selbst hat vorgeschlagen, von windgetriebenen Schiffen aus Nebel aus Meerwasser zu versprühen. Der soll die Reflexion niedriger Wolkenschichten verstärken – und so eine Abschattung der Erde bewirken. Er schließt aber nicht aus, dass sich dadurch Niederschlagsmuster ändern und manchenorts zu Dürren führen könnten.

Um das zu untersuchen, seien großflächige Experimente und bessere Computermodelle nötig, sagt Latham. Wenn sich die unerwünschten Konsequenzen bestätigen, „sollten wir das Konzept fallenlassen, es sei denn, wir finden noch einen Ausweg.“ Bis jetzt sind derartige Tests nicht möglich gewesen. „Das Problem ist“, sagt Latham, „dass es dafür, von ein, zwei Ausnahmen abgesehen, keine Fördergelder gab.“

David Victor, der im Programm für Energie und Nachhaltige Entwicklung der Stanford University arbeitet, formuliert es spitzer: „Trotz jahrelanger Spekulationen sind die wissenschaftlich begutachteten Ergebnisse der Geo-engineering-Forschung erstaunlich dünn“, schrieb er kürzlich in Foreign Affairs. „Die Geo-engineering-Gemeinde würde eigentlich in einen einzigen Seminarraum passen, und die gesamte Literatur zum Thema könnte man auf einem Transatlantikflug lesen.“

Im Vergleich zu den Forschungsgeldern für Klimaschutz, die in Obamas Konjunkturpaket vorgesehen sind – allein 3,4 Milliarden Dollar für die CO2-Sequestrierung im Untergrund – , war die Förderung des Geo-engineering bislang gering. Für die Forschung an Ozeandüngung mittels Eisenpartikeln etwa ließ das US-Energieministerium zwischen 1998 und 2005 nur 25 Millionen Dollar springen. Dann stellte das Ministerium die Förderung ein: nur „ein sehr kleiner Teil“ des CO2, das von dem gedüngten Phytoplankton geschluckt wurde, sei auch als Biomasse auf den Meeresgrund gesunken, hieß es als Begründung. Ursprünglich hatte man gehofft, abgestorbene Algen würden dort in großen Mengen CO2 binden.

Ein paar Millionen mehr flossen in andere Projekte, etwa mittels Rutenhirse und Pappeln CO2 ins Erdreich zu transportieren. Davon verspricht man sich, die natürlichen CO2-Senken um einige Gigatonnen zu vergrößern (in der Erdatmosphäre befinden sich etwa 550 Gigatonnen CO2, davon 8,4 aus der Verbrennung fossiler Rohstoffe). Auch eine mögliche CO2-Absorption durch Gestein wurde untersucht. Wirklich koordiniert war die Forschung daran aber nicht.

Noch 2006 schrieb John Holdren: „Die Ansätze zum Geo-engineering sind bislang von einer unglücklichen Kombination aus hohen Kosten, geringer Wirkung und einer hohen Wahrscheinlichkeit ernster Nebenwirkungen geprägt.“ Diese Einschätzung hat er zuletzt noch einmal bestätigt.

Und doch ist Holdren offensichtlich der Meinung, der Geo-engineering-Forschung eine neue Chance zu geben. „Der Klimawandel schreitet rascher voran, als irgendjemand vorhersagen konnte“, sagte Holdren kürzlich auf einem MIT-Forum. „Bevor wir völlig verzweifeln, sollten wir uns auf das Geo-engineering einlassen, um Kühleffekte zu erzielen. Vielleicht könnten wir dann Treibhausgase mit technischen Mitteln direkt aus der Atmosphäre holen.“

Quelle:

Kevin Bullis

Posted via web from Superglide’s Personal Blog …

29. April 2009 - Posted by | Uncategorized

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