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Das Preisschrauben-Oligopol der mobilen Internetprovider …

Neulich bekam ich von meinem Mobilfunkbetreiber ein interessantes Angebot: Mit einer so genannten „Top-Flat“ solle es mir künftig für schlappe 2 Euro im Monat möglich sein, auf insgesamt drei verschiedenen Websites, die ich mir aus einem vom Provider gestellten Katalog auswählen dürfte, „kostenlos mobil zu surfen“. Reiche mir das nicht, biete der per UMTS und GPRS vermittelte Service auch Zugriff auf „alle weiteren Internetseiten“. Kostenpunkt: „Günstige 1 Euro pro Megabyte.“ Das Angebot sei „perfekt für Einsteiger“, so der Netzbesitzer weiter.

Natürlich habe ich den Deal nicht angenommen, ist er preislich doch völlig wahnwitzig – man stelle sich vor, darüber Musik zu laden, die neben 99 Cent für iTunes dann mal eben nochmals 4 Euro „Transportkosten“ mit sich bringen würde. Außerdem würde es mir wenig Spaß bereiten, dass mir mein Netzbetreiber künftig vorschreibt, was ich im Internet anzusehen habe („Ihr Katalog mit den besten Inhalten“).

Das Üble daran: Das Angebot der Marke Gewinnmarge 90 Prozent ist durchaus beispielgebend für andere aktuelle Online-Offerten von Mobilfunkern. Und es ist ein prima Exempel dafür, was passiert, wenn man Oligopole zulässt, wie sie im weltweiten Handynetzmarkt heutzutage noch immer Gang und Gäbe sind – ein paar Anbieter plus Weiterverkäufer teilen sich ein Business und rücken preislich kaum voneinander ab, weil sie einfach nicht müssen. Das führt dann dazu, dass man vor kurzem noch mehrere Euro pro Minute blechen musste, wenn man mal eben in einem anderen EU-Land unterwegs war.

Nicht, dass die Bemühungen der Brüssler Informationskommissarin Viviane Reding zu kritisieren wären: Die Frau arbeitet durchaus im Verbrauchersinn. Doch ihre Forderungen greifen viel zu kurz: Sie glaubt beispielsweise, dass 50 Cent pro Megabyte beim Roaming gerecht seien. Dass selbst das im Vergleich zum Festnetz-Internet ein absolut verrückter Preis ist, traut sich niemand zu sagen, weil es offenlegen würde, wie sehr die Regulierung in Sachen mobiles Internet heutzutage noch daneben greift.

Man kann froh sein, wenn man Deals wie den zweier großer D-Netz-Betreiber erhält, die für 5 Euro am Tag Pauschaltarife mit einem Gigabyte anbieten, sich aber trotzdem erdreisten, diese als „ohne Volumenbegrenzung“ zu bezeichnen, obwohl sie nach dem erwähnten Gigabyte ins Kriechtempo umgeschaltet werden.

Im Mobilfunk erlebt man das, was in Amerika derzeit für das Internet über TV-Kabel debattiert wird: Die Rückkehr zum so genannten „metered net“, der Abkehr von der Flatrate. Time Warner Cable will so beispielsweise Tarife mit 20 Gigabyte im Monat durchdrücken, Wenn die Nutzer aber erst damit anfangen müssen, Datenpakete zu zählen, werden sie innovative Multimediaangebote erst gar nicht mehr nutzen, dann bleibt nur die gute alte Glotze. (Vielleicht wollen das Kabel-Internet-Anbieter auch so, schließlich verdienen sie mit teuren Pay-TV-Paketen viel Geld.)

So sehr der Erfolg von iPhone & Co. auch Anderes verheißen mag: So lange die Mobilfunk-Oligopole die Hand an der Preisschraube haben, fährt das mobile Internet weiter mit angezogener Handbremse. Unsere Kinder werden über solche Tarife und Streits nur lachen können.

Quelle:

Ben Schwan

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28. April 2009 - Posted by | Uncategorized

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