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„Hautnahe“ IT, der sechste Sinn …?

Im März ließen mir vier japanische Prototypen so genannter Haut-/Körper-Schnittstellen wahre Schauer über den Rücken laufen. Denn so langsam überkommt mich das Gefühl, dass die Realität Science-Fiction-Visionen zuweilen überholt: Die Verbindung von Mensch, Maschine und Information wird immer dichter.

Da ist zum einen die „RedTacton“-Technik, die laut dem japanischen Telekommunikationskonzern NTT bis zu 10 Mbps an Daten über die Körperoberfläche leiten kann. NTTs Kommunikationslösungsentwickler NTT Communications, der Elektronikkonzern Hitachi und der Schlosshersteller Miwa entwickelten die Technik auf eine kommerzielle Anwendung zu: ein Schließsystem, das sich nur öffnet, wenn eine befugte Person den Türknauf anfasst. Dazu wird der Knauf mit einem Sender versehen. Wenn eine Person, die einen eigenen, passenden Sender bei sich führt, den Griff berührt, öffnet sich die Tür. Andere denkbare Anwendungsbereiche: Übertragung der Visitenkartendaten per Händedruck, schnurlose Kopfhörer oder das Verschicken des Lebenslaufes, der Krankengeschichte oder der Einkommenssteuererklärung beim Küssen (Ich scherze nur halb).

Der Automobilzulieferer Denso wiederum hat einen Ring entwickelt, der es einem erlaubt, mit einem einfachen Fingerzeig Geräte zu steuern oder ein Auto zu öffnen. Yubi-nya heißt die Komponente, zu Deutsch „Finger-Miau“, weil die Ingenieure das klobige Ding aus unerfindlichen Gründen wie eine grienende Katze designt haben. Der Ring funktioniert in etwa so: Im leider noch zwei Zentimeter großen Oberteil sind eine kleine Stromquelle sowie ein Sender untergebracht. Mit der Berührung der Fingerspitzen schließt der Ringträger den Stromkreis und der Ring sendet zum Beispiel dem Auto den Befehl, die Tür zu öffnen. Kombiniert mit einem Bewegungssensor lassen sich allerdings auch Geräte, Programme oder der Cursor auf dem Computerbildschirm dirigieren.

Honda hat wiederum eine Gedankensteuerung für Roboter vorgestellt, die mittels Elektroenzephalografie und Nah-Infrarotspektrografie misst, was der Mensch vorhat. Und die Universität Osaka den „Mimi Switch“ (Ohrschalter). Dabei handelt es sich um Kopfhörer, die mittels Infrarotsensoren kleine Bewegungen im Gehörgang messen, die beim Augenzwinkern oder Grimassen schneiden ausgelöst werden. Die Technik könnte dazu dienen, mit der Mimik Musikplayer und Maschinen zu steuern.

Ich bin hin und her gerissen von diesen Techniken. Auf der einen Seite erkenne ich besonders im Ohrschalter einen wirklichen Nutzen. So lustig die Vorstellung von Menschen ist, die sich sich mit angestrengtem Zwinkern durch ihre Musikalben blättern oder durch das Rausstrecken der Zunge die Waschmaschine anwerfen, dieser Schalter würde besonders schwer behinderten Mitbürgern neue Möglichkeiten zur Kommunikation und zur Vergrößerung ihrer Selbstständigkeit eröffnen.

Auf der anderen Seite scheinen mir diese Produkte zu einer schleichenden Verschmelzung von Mensch, Information und Technik beizutragen. Ins böse Extrem gedacht drohen wir uns aus freiem Willen in mit Maschinen aufgerüsteten Borg aus der Science-Fiction-Serie Star Trek zu entwickeln. In jedem Fall erweitern wir durch die allseitige, allgegenwärtige und allumfassende Verbindung unserer Körpers mit Informationen, der virtuellen Welt des Internets und realen Maschinen, Orten und Personen unsere wahrgenommene Welt um eine oder mehrere Ebenen. Das Stichwort hier heißt „enhanced“ oder „augmented reality“.

Theoretisch können wir heute schon per Geotagging und Handy feststellen, wer in einem Restaurant auf dem Sofa saß, auf dem wir gerade sitzen (falls sich die vormals auf dem Sofa Sitzenden verewigt haben). In Zukunft reicht vielleicht eine Berührung mit der Fingerspitze aus, die Geschichte des Sofas zu erfahren. Überspitzt gesagt, wir gewinnen durch die Verschmelzung einen sechsten Sinn dazu.

Quelle:

Martin Koelling, Tokio

Posted via web from Superglide’s Personal Blog …

16. April 2009 - Posted by | Uncategorized

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